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Interview mit Katja Weijers-Kattentidt

Wer das Eduard-Michelis-Haus betritt, spürt schnell, dass hier etwas Besonderes gelebt wird: ein freundliches Miteinander, echte Aufmerksamkeit für die Menschen und viele kleine Gesten, die den Alltag bereichern. Diese Erfahrung hat auch Katja Weijers-Kattentidt in ihren ersten Monaten als Einrichtungsleitung gemacht. Im Gespräch berichtet sie von ihrem Start im Haus, von gelebter Willkommenskultur, ihrem Verständnis von Führung und den Themen, die sie gemeinsam mit dem Team in den kommenden Jahren gestalten möchte.


Frau Weijers-Kattentidt, seit Anfang 2026 leiten Sie das Eduard-Michelis-Haus. Wie war Ihr beruflicher Weg hierher?

Mein beruflicher Weg begann als Erzieherin und Heilpädagogin. Später war ich als Kita-Leitung tätig, studierte Sozialpädagogik und absolvierte während der Elternzeit eine Weiterbildung zur Altentherapeutin. Anschließend wechselte ich in die stationäre Altenhilfe, zunächst in den Sozialen Dienst. Nach dem Abschluss verschiedener Qualifikationen bin ich seit 2016 als Einrichtungsleitung in der stationären Pflege tätig, vor dem „Eduard“ bei zwei anderen christlichen Trägern. Ich bin 54 Jahre alt, habe einen erwachsenen Sohn und lebe seit vielen Jahren in Rentfort-Nord. In meiner Freizeit bin ich oft sportlich unterwegs und lese gerne.

Nach insgesamt fast 15 Jahren beim vorherigen Träger war für mich der Wunsch nach Veränderung und neuen Impulsen groß. Deshalb habe ich mich entschieden, noch einmal einen neuen beruflichen Weg einzuschlagen.


Sie sind jetzt seit fünf Monaten im Eduard-Michelis-Haus. Was waren Ihre ersten Eindrücke?

Besonders beeindruckt hat mich die Willkommenskultur. Oft wird davon gesprochen, dass Menschen offen und wertschätzend miteinander umgehen. Hier habe ich das vom ersten Tag an tatsächlich erlebt. Mitarbeiter*innen und Bewohner*innen, aber auch Angehörige sind auf mich zugekommen, haben mich begrüßt, mir ihre Unterstützung angeboten und mich herzlich aufgenommen.

Das war und ist keine Kultur, über die nur gesprochen wird, sondern eine Kultur, die gelebt wird. Dadurch habe ich mich sehr schnell sehr wohl gefühlt.


Wann hatten Sie das Gefühl: „Jetzt bin ich hier wirklich angekommen“?

Das war tatsächlich der Moment, als ich mich im Haus orientieren konnte. Das Eduard-Michelis-Haus ist groß und hat viele unterschiedliche Bereiche. Irgendwann wusste ich, wo ich bin und wie alles zusammenhängt; da hatte ich das Gefühl, angekommen zu sein.

Fachlich bin ich natürlich noch mitten im Prozess. Die Aufgaben einer Einrichtungsleitung sind sehr vielfältig. Ich selbst komme nicht aus der Pflege und dennoch muss ich alle Fachbereiche verstehen und miteinander verbinden können. Deshalb lerne ich jeden Tag dazu und entdecke immer wieder Neues.


Was ist Ihnen im Umgang mit Bewohner*innen und Mitarbeiter*innen besonders wichtig?

Authentizität, Wertschätzung und Offenheit.

Mir ist wichtig, Menschen zuzuhören und ansprechbar zu sein. Gleichzeitig bedeutet Offenheit für mich nicht, immer jeder Meinung zuzustimmen. Es geht darum, miteinander im Gespräch zu bleiben, unterschiedliche Sichtweisen ernst zu nehmen und respektvoll miteinander umzugehen.

Ich spreche Dinge gern offen an und gehe Konflikten nicht aus dem Weg. Eine klare, ehrliche und dennoch wertschätzende Kommunikation ist mir wichtig.

Begegnungen mit den Bewohner*innen wünsche ich mir noch stärker. Viele Gespräche haben mich in den vergangenen Monaten sehr berührt, diese Nähe schätze ich.


Wie würden Sie Ihre Art zu führen beschreiben?

Ich führe transparent und beteiligungsorientiert.

Mir ist wichtig, Entscheidungen nachvollziehbar zu machen und Mitarbeiter*innen einzubeziehen. Wer Verantwortung übernimmt, soll auch Gestaltungsspielräume haben. Deshalb muss nicht jeder Schritt über meinen Schreibtisch laufen.

Wenn wir uns auf ein gemeinsames Ziel verständigt haben, vertraue ich darauf, dass die Menschen ihren Weg dorthin finden.

Außerdem probiere ich gern Dinge aus. Nicht jede Idee braucht erst ein perfektes Konzept. Manchmal muss man anfangen, Erfahrungen sammeln und daraus lernen. Oder wie ich gern sage: Wenn ich mit dem Kopf vor die Wand laufe, stehe ich wieder auf, drehe mich um und laufe in eine andere Richtung.


Was möchten Sie gemeinsam mit dem Team weiterentwickeln oder neu gestalten?

Mir ist wichtig, das Haus weiter nach außen zu öffnen und bestehende Netzwerke auszubauen. Das Eduard-Michelis-Haus ist ein wichtiger Teil des Gemeinwesens und ich wünsche mir, dass diese Verbindung noch stärker sichtbar wird.

Ein weiteres großes Thema ist die Umsetzung neuer Konzepte in der Personalbemessung. Solche Veränderungen bringen immer Fragen und manchmal auch Unsicherheiten mit sich. Gleichzeitig bieten sie die Chance, Abläufe weiterzuentwickeln, mehr Zeit für die Menschen zu schaffen, die bei uns leben und den Stress für die Pflegekräfte zu reduzieren.

Außerdem verändern sich die Erwartungen zukünftiger Bewohnerinnen und Bewohner. Deshalb möchte ich gemeinsam mit dem Team überlegen, wie wir Angebote und unsere Kommunikation zeitgemäß weiterentwickeln können, ohne dabei unsere Werte und den Geist des Hauses aus den Augen zu verlieren.


Die Arbeit in der Altenhilfe ist oft herausfordernd. Was motiviert Sie persönlich?

Für mich muss Arbeit sinnstiftend sein.

Ich möchte etwas bewegen. Reine Schreibtischarbeit wäre nichts für mich. Mich motiviert, gemeinsam mit anderen etwas zu gestalten und dabei hoffentlich zu einem positiven Unterschied im Leben von Menschen beizutragen.


Gab es in den vergangenen Monaten einen Moment, der Sie besonders berührt hat?

Ja, die Verabschiedungskultur im Eduard-Michelis-Haus.

Wenn ein Bewohner oder eine Bewohnerin verstorben ist, begleiten Mitarbeiter*innen, Mitbewohner*innen und Angehörige diesen Menschen gemeinsam auf seinem letzten Weg aus dem Haus. Wir sprechen persönliche Worte, beten gemeinsam und lesen spirituelle Texte.

Besonders beeindruckt hat mich, dass sich viele Menschen daran beteiligen, unabhängig davon, ob sie den Verstorbenen gut kannten oder nicht. Diese Form von Respekt, Würde und Gemeinschaft hat mich tief berührt und zeigt sehr deutlich, welche Haltung dieses Haus prägt.


Worauf freuen Sie sich in der Zukunft des Eduard-Michelis-Hauses besonders?

Ich freue mich darauf, gemeinsam mit dem Team die Zukunft des Hauses weiter zu gestalten.
Das Eduard-Michelis-Haus verfügt über viele Stärken, auf die wir aufbauen können. Gleichzeitig möchte ich neue Ideen einbringen und Entwicklungen anstoßen, immer mit dem Blick auf die Menschen, die hier leben und arbeiten.